Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Theodor W. Adorno

Ich liebe das Zitat von Adorno, auch wenn ich mit Immobilien nichts am Hut habe.

Es ist gleichzeitig so einfach und doch so schwierig. Intellektuell einfach zu verstehen und praktisch oft so schwierig umzusetzen.

Würden wir alle dieses Zitat mehr beherzigen, müsste ich diesen Artikel überhaupt nicht schreiben. Und es gäbe meinen tollen Online-Kurs nicht. Und das wäre auch wieder schade, denn dann würde ich viele großartige Menschen niemals kennen lernen.

Jetzt aber erst mal zum Thema.

Führungskräfte in der Krise

Du magst jetzt vielleicht denken, dass es um Manager geht, die sich in einer Krise oder der aktuell überall vorherrschenden Corona-Krise mit all den wirtschaftlichen Auswirkungen befinden. Ich habe eine gute Nachricht für dich. In diesem Artikel geht es mal nicht darum. Nein, es geht um die (meist) Männer im Lebensmittel, die selbst in Führungsverantwortung stecken und aufgrund eines übermäßigen Anspruchsdenkens selbst in eine Krise geraten. In eine persönliche Sinnkrise. Vielleicht geht es also um dich.

Damit wir im Folgenden vom Gleichen sprechen, hier ein paar Begriffsklärungen:

Führung:
Der Ausdruck Führung (…) trägt die Bedeutung „leiten“, „die Richtung bestimmen“, „in Bewegung setzen“ (…). Speziell in den Sozialwissenschaften bezeichnet der Begriff planende, koordinierende und kontrollierende Tätigkeiten in Gruppen und Organisationen. (Wikipedia)

Führungskraft:
Unter Führungskraft versteht man Personen, die in einem Wirtschaftssubjekt mit Aufgaben der Personalführung betraut sind. (Wikipedia)

Krise:
Eine Krise ist im Allgemeinen ein Höhepunkt oder Wendepunkt einer gefährlichen Konfliktentwicklung in einem natürlichen oder sozialen System, dem eine massive und problematische Funktionsstörung über einen gewissen Zeitraum vorausging und der eher kürzer als länger andauert.
Die mit dem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation bietet in der Regel sowohl die Chance zur Lösung der Konflikte als auch die Möglichkeit zu deren Verschärfung. Dass es sich hierbei um einen Wendepunkt handelt, kann jedoch oft erst konstatiert werden, nachdem die Krise abgewendet oder beendet wurde. Nimmt die Entwicklung einen dauerhaft negativen Verlauf, so spricht man von einer Katastrophe (wörtlich in etwa „Niedergang“). (Wikipedia)

Sinn des Lebens:
Die Frage nach dem Sinn des Lebens beinhaltet im weiteren Sinne die Frage nach der zweckgerichteten (…) Bedeutung des Lebens im Universum an sich. (…) Im engsten Sinn forscht sie nach der „Deutung des Verhältnisses, in dem der Mensch zu seiner Welt steht“.
Sie ist eng verbunden mit den Fragestellungen „Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Warum sind wir hier auf Erden?“ und weiter: „Wie sollen wir leben, um unseren Daseinszweck zu erfüllen?“ (Wikipedia)

Führungs-(Vor-)Bilder

Natürlich gibt es unzählige Varianten von guten und schlechten Führungskräften. In bald 20 Jahren Arbeit mit Führungskräften aber sind mir zwei Typen aufgefallen.

 Im Artikel „Unternehmenskultur oder was bedeutet „Human Leadership“ in der Wirtschaft?“ habe ich geschrieben, dass wir humane Führung brauchen. Und wo finden wir die menschenliebenden Persönlichkeiten? Meist in sozialen Berufen. Auf dem Weg die Karriereleiter hoch werden diese überholt, beiseitegestoßen oder systematisch ausgebotet. Den Weg an die berufliche Spitze gehen die dummen (link) skrupellosen Ellenbogen-Typen eben sehr viel leichter.

Diejenigen von uns, die den Anspruch an sich haben, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, wirklich etwas in der Welt bewegen zu wollen, werden von ihrem eigenen Anspruch aufgerieben. Ein Geschäft zu führen, empathisch auf den einzelnen Mitarbeiter einzugehen, dabei Zuhause noch ein prima Familienvater und bewunderter Partner zu sein, gelingt nur unter größter Anstrengung und oft zu einem unmenschlichen Preis. Magenbeschwerden, Schlafstörungen, Tinnitus. Die Liste ist lang. Darauf bereitet dich in unserem Bildungssystem niemand vor.  

Und das ist lang nicht alles

Du musst nämlich die Spielregeln kennen. Von Klüngelei bis Korruption. Netzwerke entstehen bei diversen Veranstaltungen. Verbandstreffen, Messen, Branchentage. Dummheit (Link) kumuliert bekanntlich. Und wenn du da nicht trinkfest mit zu den Letzten des Abends gehörst, siehts leider schlecht für deine Karriere aus. Die Parolen, die Themen sind nicht selten von zynisch bis menschenfeindlich. Unehrlichkeit gehört zum guten Ton, obwohl man auf Ehre schwört.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

Erstens: Dir geht es damit gut. Herzlich Willkommen im Kreis derer, die Michael Moore oder Günther Ogger beschrieben haben. Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät für einen Richtungswechsel. Der kommt sowieso. Nach einem Schlaganfall, dem zu frühen Verlust eines geliebten Menschen oder am jüngsten Tag. Warum dann nicht jetzt?

Zweitens: Dir geht es damit ganz und gar nicht gut. Wahrscheinlich gehörst du dann nicht zur Spitze des Managements, sondern du findest dich im mittleren Management wieder. Vielleicht aber hast du es trotz deines guten Herzens in diese Riege der Alpha-Affen geschafft. Wie sieht es dann aus? Die Themen an den Stehtischen langweilen dich mindestens, eher noch bist du peinlich berührt. Du suchst den Sinn in sich immer wiederholenden inhaltsleeren Meetings ohne echtes Ziel. Am liebsten möchtest du jedes Mal hart mit dem Kopf auf die Tischplatte aufschlagen ob der ganzen Sinnlosigkeit, die aber nötig ist, um eine zweifelhafte Existenz des Ganzen zu rechtfertigen. Wenn du mal zur Ruhe kommst, in deinem Kopf alles ganz still ist, kannst du dich noch gut an deine Werte erinnern, mit denen du einmal gestartet bist. An die Visionen, die du mal hattest. An Ideen, mit denen du die Welt verbessern wolltest. An Menschen, die du fördern wolltest. Und an persönliche Ziele, die du erreichen wolltest. An Dinge, die durch dich in die Welt wollten. Plötzlich aber ist nur noch Eines wichtig: Zahlen, Jahresabschlüsse, Bilanzen. Weißt du, was jetzt passiert, ja passieren muss? Dein Selbstbewusstsein bekommt einen gewaltigen Schlag.

Warum ist das so? Ein kleiner Ausflug in die Neurowissenschaften

Bestimmt kennst du das Eisbergmodell in Anlehnung an Kant. Demnach bildet die sichtbare Spitze des Eisberges unser Bewusstsein ab. Der unter Wasser liegende Teil  des Eisberges stellt unser Unbewusstes dar. Das Verhältnis wird immer noch mit 1:5 verbreitet. Seit ca. 80 Jahren aber erzählen uns Neurowissenschaftler, dass die beiden Anteile zu Gunsten des Unbewussten verrückt werden müssen. Die leider 2011 verstorbene Hirnforscherin und Managementtrainerin Vera F. Birkenbihl wurde lange belächelt für die Aussage, dass der bewusste Anteil 11mm zu 9 km betrüge, würde man die Anteile in Strecken abbilden. Das bedeutet ein Verhältnis von 1:818.181 statt von 1:5. Zum Glück beweisen uns seit ca. 15 Jahren bildgebende Verfahren, dass Vera F. Birkenbihl recht hatte. Ebenso wissen wir, dass alle unsere Entscheidungen im Limbischen System, unserem „Gefühls-Hirn“ getroffen werden. Das bedeutet, dass es keine einzige Verstandesentscheidung gibt. Alle unsere Entscheidungen treffen wir auf der Gefühlsebene und begründen zum großen Teil Millisekunden später mit unserem Verstand.

Dieser Ausflug war wichtig, weil er dir zeigt, was es bedeutet, wenn du dich immer wieder mit Menschen, Dingen und Sachverhalten umgibst, die dir nicht entsprechen. Egal, ob beruflich oder privat. Dein Unbewusstes weiß, was gut für dich ist, auch wenn dir der Zugang durch Erziehung, Bildung und Prägung zugeschüttet wurde. 1:818.181. Das muss sich auf dein Selbstbewusstsein auswirken. Du hast keine Chance.

Ein Beispiel

Du sagst dir immer wieder, es ist gut und rational, den fünf ältesten Mitarbeitern zu kündigen. Und betriebswirtschaftlich ist das vielleicht die einzige Möglichkeit, die die Firma momentan hat. Ehrlicherweise geht dies aber z. B.  gegen deine Grundwerte von Respekt und Fürsorge. Dein Bewusstsein ist nun in kognitiver Dissonanz mit deinem Unbewussten. Und da das Unbewusste so viel mächtiger als das Bewusste ist – du es aber unter Umständen nicht direkt spürst – bröckelt deine Integrität zu dir selber und nagt dir ein kleines Stückchen vom Selbstbewusstseinkuchen ab. So geht das tagein, tagaus, viele Male am Tag. Der Kuchen wird kleiner und kleiner. Wenn du nun ein sensibler Charakter bist, dann wird sich das zwangsläufig auswirken. Du spürst, zum Beispiel, dass du im falschen Leben gefangen bist und erinnere dich:

Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Oder, wenn du nicht ganz so sensitiv bist, bekommst du Magenprobleme, Schlafstörungen, etc. Dein Körper wird solange die Finger in deine Schwachstellen legen, bis du etwas änderst – oder es richtig knallt.

Resilienz

Seit geraumer Zeit ist der Begriff Resilienz in aller Munde. Meiner Meinung nach sind Resilienztrainings eine wunderbare Möglichkeit die Probleme unserer Gesellschaft – unter Technikvermittlung von „es doch noch hinbekommen“ zum Erhalt der Gesamtproblematik – in den Griff zu bekommen. Ablenkung und Alibi.

Jetzt könntest du meinen, ich sei negativ oder zynisch. Aber gucken wir uns die Definition von Resilienz einmal an. Dann wird sehr deutlich, was ich meine.

Resilienz (Psychologie):
Resilienz (…) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Mit Resilienz verwandt sind Entstehung von Gesundheit, Widerstandsfähigkeit, Bewältigungsstrategie und Selbsterhaltung.
In der Medizin bezeichnet Resilienz auch die Aufrechterhaltung bzw. rasche Wiederherstellung der psychischen Gesundheit während oder nach stressvollen Lebensumständen und wird als Ergebnis der Anpassung an Stressoren definiert. (Wikipedia)

Hört sich das für dich positiv an? Oder erstrebenswert? Für mich nicht.

Wie viel besser wäre es…

Wie viel besser wäre es denn, das eigene Leben so zu gestalten, dass Resilienz nicht nötig ist?

Bewältigungsstrategien brauche ich nur, wenn ich etwas zu bewältigen habe. Wie cool wäre es denn, wenn ich so lebte, dass ich mich nicht an Stressoren anpassen muss? Ich spreche hier von Menschen unseres Kulturkreises, die weder mit echten wirtschaftlichen Problemen, Ängsten um das eigene, nackte Überleben, klimatischen Katastrophen o. ä. belastet sind. Und selbst unter schwereren Bedingungen als bei uns in Europa gibt es immer wieder große Vorbilder, die herausstechen. Filmtipp: „Der Junge, der den Wind einfing.“

Bundesweit erfüllt mehr als jeder vierte Erwachsene im Zeitraum eines Jahres die Kriterien einer psychischen Erkrankung.

Darum ist Resilienz natürlich ist ein wichtiges Thema. Aber nur, weil unsere Gesellschaft es nicht zulässt, dass sich aus dem Wunder Mensch ein gesundes, autonomes Wesen entwickelt. Wir alle kamen als echte Powerpakete voller Potenzial auf die Welt. Jeder von uns sein eigener Mensch. Wären wir noch wie die Kinder, unbelastet, voller Tatendrang für das Gute und voller bewusstem Selbst, müsste Resilienz kein Thema sein.

Stell dir vor, wir kehren zu diesem Zustand zurück. Du entdeckst dich wieder. Spürst, fühlst, nimmst wahr, begegnest, erkennst, bist aufrecht zu dir selber. Brauchst die ganze Alltagsflucht und Betäubung durch Alkohol, Schmerztabletten, Zigaretten, medialer Verseuchung und Fremdgehen nicht mehr?

Vielleicht macht dir das jetzt Angst, aber ich verspreche dir:

Es ist großartig!

Und das coole daran ist, je mehr Menschen in Freiheit leben, desto gerechter wird es für alle. In dem dir bewusst wird, dass du wirklich frei bist, bist du viel weniger darauf angewiesen deine Umwelt zu tyrannisieren oder auszubeuten. Du darfst weiter gut leben, sehr gut sogar. Aber dir wird der Spaß an totalem Konsum-Quatsch bald vergehen und sofort ist Raum und Ressource frei für erstens dein persönliches Wachstum und zweitens für ein besseres Leben anderer Menschen. Und noch cooler: Das fühlt sich nicht wie Verzicht an, sondern wie Reichtum.

Echte Freiheit (Link) ist gefühlter Reichtum.

Und weil es sich lohnt über Freiheit einen eigenen Artikel zu schreiben, gibt es den auch. Nun hab ich leider oben schon angedeutet, dass es nicht so einfach ist, wieder in diesen Zustand zu kommen, in dem du nur noch die Dinge tust, die dir wirklich gut tun. Aber dafür gibt es ja meinen Online-Kurs:

„Verbesserung des Selbstbewusstseins für Führungskräfte in der Sinnkrise“

Ich freu mich so sehr auf dich – egal, ob du zu Typ 1 oder Typ 2 gehörst 😉